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Blog E-Mail Security

CEO-Fraud und Business Email Compromise: erkennen, verhindern, richtig reagieren

Falscher Chef, gefälschte Rechnung, gekapertes Lieferanten-Postfach: wie die Maschen funktionieren, woran Sie sie erkennen und was in der ersten Stunde nach einer Fehlüberweisung zu tun ist.

Benedikt Scheungraber 12 Min. Lesezeit
Illustration: Eine Hand im Anzugärmel lässt einen Briefumschlag mit der Aufschrift ‚Urgent: Wire Transfer Request‘ an einem Angelhaken über einem Büroangestellten baumeln, daneben der Schriftzug CEO Fraud

Kurz erklärt

Business Email Compromise (BEC) ist ein Betrug, bei dem sich Täter per E-Mail als Geschäftsführer, Kollegin, Lieferant oder Berater ausgeben und ein Unternehmen dazu bringen, Geld zu überweisen oder Daten herauszugeben. Die bekannteste Form in Deutschland ist CEO-Fraud, auch Fake-President-Betrug genannt. Die Mails enthalten meist weder Schadsoftware noch Links und kommen deshalb durch Spamfilter. Das FBI zählte allein für die USA 2025 BEC-Schäden von 3,05 Milliarden US-Dollar.

Die Anfrage wirkt alltäglich. Ein Lieferant hat eine neue Bankverbindung. Der Geschäftsführer braucht heute noch eine Überweisung und bittet um Diskretion. Eine Kollegin hat die Bank gewechselt. Jede dieser Mails ist für sich plausibel, und genau darauf setzt die Masche. BEC bricht nicht in Systeme ein. Es nutzt ganz normale Abläufe und setzt darauf, dass jemand seine Arbeit macht.

Dieser Leitfaden zeigt, wie die wichtigsten Varianten ablaufen, was sie kosten, woran Sie sie erkennen, welche Kontrollen wirken und was zu tun ist, wenn das Geld schon überwiesen wurde.

Was ist Business Email Compromise?

Business Email Compromise ist ein Social-Engineering-Angriff auf die Zahlungs- und Freigabeprozesse eines Unternehmens. Der Täter übernimmt eine vertrauenswürdige Identität und bittet um etwas, worum diese Person plausibel bitten würde: eine Überweisung, eine Änderung der Bankverbindung, eine Liste der Mitarbeiter oder Gutscheinkarten für ein „Kundenevent“.

Die falsche Identität stammt aus einer von drei Quellen:

Was BEC von klassischem Phishing unterscheidet, ist das Ziel. Phishing will einen Klick auf einen Link oder Anhang. BEC will, dass ein Mensch einen normalen Geschäftsvorgang ausführt, nur zugunsten des falschen Empfängers. Spamfilter, Virenscanner und Linkprüfungen helfen deshalb wenig.

Wie hoch ist der Schaden durch CEO-Fraud und BEC?

Eigene Zahlen zu CEO-Fraud veröffentlichen die deutschen Behörden nicht. Die Lagebilder zeigen aber den Rahmen, und die US-Statistik des FBI ist die genaueste öffentliche Quelle zu BEC.

3,05 Mrd. $

BEC-Schäden, die dem FBI 2025 gemeldet wurden, aus 24.768 Anzeigen

202,4 Mrd. €

Schaden für die deutsche Wirtschaft durch Cyberangriffe laut Bitkom-Studie 2025

2/3

der 2025 in Deutschland erfassten Cybercrime-Taten kamen aus dem Ausland oder von unbekanntem Ort

Zwei Fälle, die die Spannweite zeigen

Im August 2016 meldete der Nürnberger Autozulieferer Leoni per Ad-hoc-Mitteilung, dass Täter mit gefälschten Dokumenten, falschen Identitäten und elektronischer Kommunikation rund 40 Millionen Euro auf Konten im Ausland umgeleitet hatten. Leoni senkte daraufhin die EBIT-Prognose für das Jahr von 105 auf 65 Millionen Euro.

Im Januar 2024 überwies ein Beschäftigter des Ingenieurbüros Arup in Hongkong rund 200 Millionen Hongkong-Dollar (etwa 25 Millionen US-Dollar), nachdem er in einem Videocall mit dem vermeintlichen Finanzchef und weiteren Kollegen gesprochen hatte. Alle Teilnehmer waren Deepfakes. Arup bestätigte den Fall im Mai 2024 gegenüber CNN und betonte, dass keine internen Systeme kompromittiert wurden. Der Angriff brauchte keinen Hack, nur eine glaubwürdige Bitte und ein überzeugendes Gesicht auf dem Bildschirm.

Wie läuft ein CEO-Fraud-Angriff ab?

Ob sich der Täter als Chef oder als Lieferant ausgibt, die meisten Fälle folgen denselben vier Schritten.

Welche Arten von BEC gibt es und woran erkennen Sie sie?

Die Tabelle zeigt die fünf Varianten, mit denen Buchhaltung und Personalabteilung am häufigsten zu tun haben, ihre Warnsignale und die Kontrolle, die sie stoppt.

Häufige BEC-Varianten mit Warnsignalen und der jeweils wirksamen Kontrolle.
Variante So kommt sie an Warnsignale Was sie stoppt
CEO-Fraud (Fake President) Mail, oft gefolgt von Anruf oder Videocall, angeblich von Geschäftsführung oder Vorstand. Geheimhaltung („sprechen Sie mit niemandem darüber“), Zeitdruck, eine unbekannte Übernahme, die Bitte, die übliche Freigabe zu überspringen. Rückruf unter einer Nummer aus Ihren eigenen Unterlagen. Keine Zahlung ohne zweite Freigabe, egal wer fragt.
Rechnungsbetrug / Zahlungsumleitung Ein „Lieferant“ meldet eine neue Bankverbindung, manchmal mit echt aussehender Rechnung. Neue IBAN oder Bank im Ausland, eine Absender-Domain mit einem anderen Buchstaben, eine unbekannte Antwortadresse. Jede Änderung von Bankdaten telefonisch bei einem bekannten Ansprechpartner prüfen, die erste Zahlung an das neue Konto einen Tag zurückhalten.
Gekapertes Lieferanten-Postfach Das echte Postfach des Lieferanten wurde übernommen. Der Täter antwortet in einem echten Mailverlauf. Richtiger Absender, richtiger Verlauf, aber plötzlich neue Zahlungsdaten oder ein ungewohnter Ton. Dieselbe Rückrufregel. Eine korrekte Absenderadresse beweist nicht, dass die Anfrage echt ist.
Falscher Anwalt oder Berater Ein „Anwalt“ oder „Wirtschaftsprüfer“ meldet sich wegen einer vertraulichen Transaktion, oft mit Verweis auf die Geschäftsführung. Druck am Freitagnachmittag oder vor Feiertagen, der Hinweis, niemand sonst dürfe davon wissen. Eine schriftliche Regel, dass auch vertrauliche Zahlungen den normalen Freigabeweg gehen.
Gehaltsumleitung und Datenabfluss Die Personalabteilung erhält von einem „Mitarbeiter“ eine neue Kontoverbindung oder von der „Geschäftsführung“ eine Anfrage nach Personaldaten. Änderungswünsche nur per Mail, Anfragen nach Mitarbeiterlisten, Lohn- oder Steuerdaten. Kontoänderungen nur über das HR-Portal oder persönlich, Datenanfragen per Rückruf bestätigen.

Verwandte Begriffe im Glossar: CEO-Betrug, Whaling, Impersonation von Führungskräften und Vishing, der Anruf, der oft auf die Mail folgt.

Warnsignale, die für jede Variante gelten

Wie schützen Sie Ihr Unternehmen vor CEO-Fraud?

BEC nutzt Prozesse aus, also liegt der größte Teil der Abwehr in Prozessen. Technik hilft an den Rändern. Die Checkliste ist danach sortiert, wie viel Risiko jeder Schritt im Verhältnis zum Aufwand senkt.

DMARC schützt nicht vor Lookalike-Domains

DMARC schützt die Domain, die Ihnen gehört. Eine Lookalike wie mustermann-gmbh.co gehört dem Angreifer, der dafür gültige SPF-, DKIM- und DMARC-Einträge setzen kann. Die Mail besteht jede Prüfung. Diese Lücke schließt nur, wer die Domain früh entdeckt und abschalten lässt.

Was tun, wenn Sie auf CEO-Fraud hereingefallen sind?

Entscheidend ist Geschwindigkeit. Solange das Geld auf dem ersten Empfängerkonto liegt, kann die Bank es oft noch stoppen. Das Recovery Asset Team des FBI bearbeitete 2025 laut IC3-Bericht 3.900 solcher Fälle und fror 679 Millionen von 1,16 Milliarden US-Dollar ein, also 58 Prozent der versuchten Beute. In Deutschland gibt es keine vergleichbare Statistik, das Prinzip ist aber dasselbe.

Wo nebty hilft

nebty sitzt nicht in Ihrem Postfach und nicht in Ihrem Zahlungsprozess. Wir decken die Domain-Seite von BEC ab. Unser System gleicht neue Domain-Registrierungen mit Ihren Brand- und Domainnamen ab, erkennt verdächtige Lookalikes meist innerhalb von Stunden nach der Registrierung und bewertet sie nach Risiko. Wird eine Domain gegen Sie eingesetzt, übernehmen wir den Takedown bei Registrar und Hoster. Sie zahlen nur für erfolgreiche Takedowns.

Wenn Führungskräfte gleichzeitig per Mail, in sozialen Netzwerken und auf Fake-Websites imitiert werden, hilft unsere Brand Impersonation Protection.

Häufige Fragen zu CEO-Fraud und BEC

Was ist der Unterschied zwischen CEO-Fraud und Business Email Compromise?

CEO-Fraud, auch Fake-President-Betrug oder Chef-Masche genannt, ist eine Form von Business Email Compromise (BEC). Dabei gibt sich der Täter als Geschäftsführer oder Vorstand aus und verlangt eine vertrauliche Überweisung. BEC ist der Oberbegriff und umfasst auch Rechnungsbetrug mit geänderter Bankverbindung, gekaperte Lieferanten-Postfächer, falsche Anwälte und Anfragen nach Mitarbeiterdaten.

Bekomme ich das Geld nach CEO-Fraud zurück?

Manchmal, wenn Sie innerhalb von Stunden handeln. Rufen Sie sofort Ihre Bank an, lassen Sie einen Rückruf der Überweisung veranlassen und erstatten Sie Anzeige. Solange das Geld noch auf dem ersten Empfängerkonto liegt, kann die Empfängerbank es einfrieren. Ist es einmal über mehrere Konten weitergeleitet, sinken die Chancen deutlich.

Warum erkennen Spamfilter CEO-Fraud-Mails nicht?

Weil die meisten dieser Mails keinen Link und keinen Anhang enthalten. Sie bestehen aus ein paar Sätzen Text, oft von einer Domain, die der Angreifer selbst registriert und korrekt eingerichtet hat. Für einen Filter sieht das aus wie eine normale Geschäftsmail.

Schützt DMARC vor Business Email Compromise?

Nur vor einem Teil. DMARC mit der Richtlinie reject verhindert, dass Angreifer Mails unter Ihrer exakten Domain versenden. Gegen Lookalike-Domains, die dem Angreifer gehören, und gegen ein echtes, übernommenes Postfach hilft DMARC nicht. Dafür brauchen Sie Freigabeprozesse und ein Monitoring für ähnliche Domains.

Muss ich CEO-Fraud dem BSI melden?

Das hängt davon ab, ob Ihr Unternehmen unter NIS-2 fällt. Regulierte Einrichtungen müssen erhebliche Sicherheitsvorfälle seit dem 6. Dezember 2025 innerhalb von 24 Stunden über das BSI-Portal melden. Unabhängig davon gilt: Sind personenbezogene Daten betroffen, ist nach DSGVO meist eine Meldung an die Datenschutzbehörde innerhalb von 72 Stunden nötig. Die Strafanzeige geht an die Polizei, für Unternehmen am besten an die Zentrale Ansprechstelle Cybercrime (ZAC) Ihres Bundeslandes.

Woher wissen die Täter, wen sie imitieren müssen?

Größtenteils aus öffentlichen Quellen. Website, Impressum, Handelsregister, LinkedIn, Pressemitteilungen und Stellenanzeigen zeigen, wer welche Rolle hat, wer die Lieferanten sind und wann die Geschäftsführung auf Reisen ist. Ein übernommenes Postfach liefert zusätzlich echte Rechnungen und echte Mailverläufe.

Eine verdächtige Domain vor sich?

Prüfen Sie, wer hinter der Seite steht, und sichern Sie sie, bevor sie verschwindet.