Eine bezahlte Anzeige ganz oben bei Google wirkt wie ein Gütesiegel. Für viele Kundinnen und Kunden ist sie das Gegenteil: gekaufter Platz, hinter dem manchmal ein Fake Shop steckt. Und der trägt nicht selten den Namen einer echten Brand.
Für die ARD-Dokumentation „Die Wahrheit über Google" haben wir mit unserem Schwesterprojekt Hinweishelden über Wochen gemessen, wie regelmäßig Fake Shops in Google Ads auftauchen und wie lange sie trotz Meldung online bleiben. Dieser Beitrag ordnet die Ergebnisse aus der Sicht der Brands ein, deren Produkte als Köder dienen.
Die Wahrheit über Google
Die ARD-Doku und unsere Untersuchung
Die ganze Dokumentation läuft in der ARD-Mediathek. Die Daten dazu kommen aus unserer Auswertung mit Hinweishelden. Die vollständige Untersuchung mit Methodik und allen Zahlen steht auf Hinweishelden, unserem Schwesterprojekt für Verbraucherschutz.
Die wichtigsten Zahlen
Wir haben 4.109 Suchanfragen zu rund 100 typischen Produktsuchbegriffen von Anfang April bis zum Stichtag 25. Mai 2026 durch Google geschickt und jede Werbeanzeige erfasst. Anbieter, die wir noch nicht kannten, haben wir einzeln geprüft. Bei Verdacht glichen wir den Shop mit dem Fake-Shop-Finder der Verbraucherzentrale ab und meldeten nur die Fälle, die dort eindeutig als Betrug eingestuft waren.
Fake-Shop-Quote
3,5 %
der Werbeplätze führten zu einem Fake Shop
Gut jeder 30. Werbeplatz
Online-Zeit nach der Meldung
106.599
erfasste Werbeplätze
4.109
durchgeführte Suchen
97
gemeldete Fake-Shop-URLs
Gut jeder dreißigste Werbeplatz führte also zu einem Shop, den die Verbraucherzentrale als Betrug listet. Das klingt nach wenig. Hochgerechnet auf die Reichweite eines normalen Suchtags ist es das nicht. Rechnet man kurzlebige Eintagsfliegen heraus, blieben gemeldete Anzeigen sogar rund 19 Tage in der Rotation.
Warum Fake Shops in Google Ads Ihr Brand-Problem sind
Ein Fake Shop erfindet seine Glaubwürdigkeit selten selbst. Er borgt sie sich: bekannte Produktnamen, manchmal ein Logo, eine Domain, die der echten ähnelt. Die Anzeige steht oben bei Google, die Kundin hält den Platz für geprüft, bestellt, zahlt per Vorkasse und bekommt nichts.
Der Ärger landet danach bei der echten Brand. Es kommen Support-Anfragen, Rückbuchungen und schlechte Bewertungen für einen Kauf, mit dem Sie nie etwas zu tun hatten. Jeder Tag, an dem die Anzeige läuft, erreicht neue Opfer und beschädigt das Vertrauen, das Sie über Jahre aufgebaut haben.
Google blockiert viel, aber selten schnell
Google gibt an, mehr als 99 Prozent der problematischen Anzeigen zu blockieren, bevor sie jemand sieht. Das hilft. Der Rest ist trotzdem Ihr Problem. Auf jede unserer 97 Meldungen kam die Auskunft, der Fall werde geprüft. Danach blieben die Anzeigen im Schnitt noch gut elf Tage in der Rotation.
Unsere Beobachtung legt nahe, dass die URLs am Ende weniger durch eine gezielte Entscheidung verschwanden, sondern weil sie nach und nach auf genug Spam-Listen auftauchten. Für eine Brand heißt das: Nach einer Meldung folgt zuerst Warten. Wer sich allein auf die Plattform verlässt, lässt seinen Namen tagelang weiter als Köder laufen.
Das Problem reicht über Google Ads hinaus. Anfang 2026 beschwerten sich 30 Verbraucherorganisationen aus 27 Ländern bei der EU-Kommission über betrügerische Anzeigen in sozialen Netzwerken. Meta gibt an, 2025 mehr als 1,8 Millionen Anzeigen entfernt zu haben. Die Köder wandern zwischen den Plattformen, der Brandname bleibt derselbe.
Was Brands jetzt tun sollten
Sie können nicht jede Fake-Anzeige mit Ihrem Namen selbst entdecken, aber Sie können dafür sorgen, dass Sie schnell davon erfahren und schnell reagieren.
- Überwachen Sie, wo Ihr Name auftaucht. Lookalike-Domains und Anzeigen mit Ihrem Brandnamen lassen sich kontinuierlich beobachten. Domain-Monitoring meldet neue Registrierungen, bevor daraus ein Shop wird.
- Sichern Sie Beweise und melden Sie an der richtigen Stelle. Das Anzeigenformular ist nur ein Hebel. Hosting-Provider und Registrar reagieren oft schneller, wenn die Meldung sauber dokumentiert ist. Wie ein Website-Takedown abläuft, beschreiben wir im Detail.
- Rechnen Sie mit Wiederholungstätern. Nach einem Takedown taucht oft die nächste Domain auf. Dagegen hilft nur laufendes Monitoring statt einmaliger Reaktion.
- Stärken Sie Ihre Brandrechte. Eine eingetragene Brand verleiht jeder Takedown-Anfrage Gewicht. Provider nehmen belegte Meldungen deutlich ernster.
Häufige Fragen
Werden in Fake Shops in Google Ads echte Brands missbraucht?
Regelmäßig. Betrüger setzen auf bekannte Produkt- und Brandnamen, weil die das Vertrauen liefern, das ihre eigene Domain nicht hat. Genau dieses geborgte Vertrauen schadet Ihrem Unternehmen.
Wie schnell entfernt Google gemeldete Fake-Anzeigen?
In unserer Auswertung dauerte es nach der Meldung im Schnitt 11,2 Tage, im hartnäckigsten Fall 48 Tage. Verlassen Sie sich also nicht darauf, dass eine Meldung allein das Problem schnell löst.
Kann nebty solche Anzeigen entfernen lassen?
Wir überwachen, wo Ihre Brand missbraucht wird, sichern Beweise und treiben Takedowns über Hosting-Provider, Registrare und Plattformen voran. So bleibt der Köder kürzer online.
Fazit
Unsere Untersuchung für „Die Wahrheit über Google" zeigt ein nüchternes Bild: Fake Shops erscheinen regelmäßig in bezahlten Google Ads, und auf eine Meldung folgt vor allem Warten. Eine bezahlte Anzeige ist kein Qualitätssiegel, sondern gekaufter Platz. Für Brands heißt das, den eigenen Namen aktiv im Blick zu behalten, statt darauf zu hoffen, dass die Plattform schnell genug handelt.
Ihre Brand taucht in fremden Anzeigen auf?
Wir finden, wo Ihr Name als Köder missbraucht wird, und sorgen dafür, dass die Anzeigen und Fake Shops verschwinden.
Mit dem nebty-Team sprechenÜber den Autor
Benedikt Scheungraber
Co-Founder & CEO, nebty
Benedikt hat nebty gegründet, um professionelle Brand Protection für Unternehmen jeder Größe zugänglich zu machen. Er schreibt über digitale Bedrohungen, Domain-Missbrauch und wie Unternehmen ihre Online-Identität schützen können.